Talks

Die europäische Kunst- und Kulturszene als politische Akteurin

Die Gesprächsreihe bildet die theoretisch-konzeptionelle Rahmung zum Titelthema des Festivals Stadt//Raum//Identität. Insbesondere die Frage nach der Bedeutung der europäischen Kulturszene als Akteurin in Zeiten der Krise steht hierbei im Mittelpunkt. In verschiedenen Talk-Formaten, die von Podiumsdiskussionen, über Tischgespräche bis hin zu einer Mischung aus Filmvorführung mit eingeschobenen Gespräch reichen, werden Themen wie Creative Peacebuilding, Engagierte Kunst, künstlerische Verhandlung von Identität und Fremdheit sowie von Rassismen und Sexismen diskutiert. Die Referent/innen, die selbst aus interkulturellen Kontexten stammen, nähern sich dieser Fragestellung aus verschiedenen Richtungen an.

Im Studio findet eine Begleitausstellung zu den Workshops und Talks statt.

Eine Kooperation von Dekabristen e.V. und der Heinrich-Böll-Stiftung

  • Fr
    25
    Nov
    2016
    19:30Theater

    So politisch war die europäische Kunst- und Kulturszene schon lange nicht mehr. Theater setzen sich in teilweise radikalen politischen Aktionen mit der Flüchtlingskrise auseinander, Galerien in ganz Europa widmen sich Themen wie Rassismus, Sexismus und Armut und selbst Popstars transportieren in Ihren Werken wieder vermehrt klare politische Botschaften. Der Übergang von Aktivismus und Kunst ist zunehmend fließend.

    Gerade wenn partizipatorische Räume auf politischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Ebene enger werden, scheint künstlerischer Aktivismus durch seine Abstraktheit und Wendigkeit eine Möglichkeit zur Einflussnahme zu sein.

    Doch die Zeiten wo Kultur und Kunst als politisch eher bedeutungslos angesehen wurden, sind längst vorbei. So werden Handlungsspielräume von Kulturschaffenden oft systematisch eingeschränkt. Kunstaktionen verboten, Förderungen gestrichen und staatliche Kulturpolitik ideologisch betrieben. Auch ökonomische Krisen bekommen Kulturschaffende meist frühzeitig zu spüren.

    Wir wollen uns mit Martyna Nowicka, Kulturjournalistin, Gazeta Wyborcza (Krakau), Ivor Stodolsky, Kurator & Philosoph, Perpetuum Mobile (Helsinki/Paris/Berlin) und Paulina Olszewska, Kuratorin (Polen/Berlin) über die aktuelle Rolle und Position der europäischen Kunst- und Kulturszene als politische Akteurin unterhalten.

    Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Sergey Lagodinsky, Referatsleitung EU/Nordamerika, Heinrich-Böll-Stiftung Berlin.

    Foto: N.N.
    Foto: N.N.

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  • 20:30Club

    Foto: Maciej Komorowski
    Foto: Maciej Komorowski

    Ein amerikanischer Schauspieler russischer Herkunft, den die ganze Welt aus den „Glorreichen Sieben“ kennt, bringt 1967 ein Album mit russischen Gypsy Songs raus. Eine Tochter ukrainischer Emigranten singt für Quincy Jones, den Produzent von Michael Jackson’s „Thriller", und nimmt nebenbei zwei Alben mit ukrainischen Liedern auf, die für Grammy nominiert werden. Der Pate des russischen Knastchansons arrangiert Streicher für Run DMC... Im 20-en Jahrhundert reichten die Migrationswellen aus dem Russischen Imperium und später aus der Sowjetunion bis nach China und in die USA. Dabei waren unter anderem auch Musiker. Manche von ihnen sangen bis zu ihrem Tod in kleinen verrauchten Clubs für Nostalgiker, andere wurden zum Welterfolg. Ihre Lieder sind eine Fusion aus den Musikelementen der alten und der neuen Heimat, eigenartige Versuche musikalischer Integration. Ihre Geschichten schreien danach, erzählt zu werden. Der Musiker und DJ Yuriy Gurzhy (Russendisko, RotFront, Born in UA), der aus der Ukraine kommt und seit 1995 in Berlin lebt, ist ein Kenner und Sammler der Diaspora Sounds. An diesem Abend stellt er 10 exotische Prachtstücke aus seiner Plattenkiste vor.

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  • Sa
    26
    Nov
    2016
    14:30 - 16.00Studio

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    Tischgespräch + Video-Art
    mit Tee und Kuchen

    Moderatorin Athina Panousi, Universtität der Künste, Berlin - Institut für Kunst im Kontext.

    In einem anderen Land oder einer anderen Kultur, bin ich die/der Fremde oder umgeben von Fremden? Was bedeutet Fremdheit für mich? Nach welchen Kriterien inszeniere ich meine eigene Identität innerhalb einer fremden Kultur? Wer bestimmt diese Kriterien und wann gelten sie als selbstgesetzt? Wie behandele ich meine Doppelidentität als Einheimische_r und als Migrant_in? Wie behandelt man den Verlust seiner eigenen Identität durch einen Krieg? Oder wenn man sich mit den sozialen und kulturellen Normen seines Landes nicht indentifizieren kann? Könnte Kunst als schöpferischer Katalysator ernst genommen werden, und ermöglichen, diese Fragen visuell, akustisch und performativ zu beantworten?

    Erkundungen dieser Art sind unverzichtbarer Teil des (post)migrantischen Identitätsstatus, dem das Gespräch mit Athina Panousi in einem durch die Künstlerin vorbereiteten speziellen Setting gewidmet ist. Die Diskussion zielt darauf ab, soziokulturelle Tabus, wie das Phänomen der (Selbst-)Anpassungsstrategien und dazugehörige Identitätsexperimente explizit anzusprechen, in Frage zu stellen und konstruktiv zu zerstreuen. Als Empfänger_innen von fremden kulturellen und sozialen Reizen sind wir nicht automatisch vorbereitet, diese Reize nachzuvollziehen, zu verarbeiten oder zu akzeptieren. Intensiver soziokultureller Informationsaustausch und multikulturelle Koexistenz benötigen eine Art von Identitätsinszenierung, die sich dem Neuen öffnet. Als Grundlage für die Gesprächsveranstaltung dient Panousis Videoarbeit „Die transexistenzielle Hauthülle“.

    Alle Besucher_innen des Festivals sind eingeladen, an diesem Tischgespräch mit Tee und Kuchen teilzunehmen, um die eigene Perspektive zu teilen und voneinander lernen zu können.

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  • 16.30 - 18.30Studio

    diskussion-igor-seidel

    Artist-Talk + Diskussion 

    Moderation: Ivor Stodolsky (Kurator, Kunstaktivist)

    Mit dem Kunstprojekt City Mythologem nahm Igor Zaidel am Programm City-Code (Kodmista) in der östlichen Ukraine teil. Der deutsche Künstler und Kurator ist in partizipatorischen Kunstprojekten spezialisiert und arbeitet mit Geschichten und Mythen von Orten, schafft neue visuelle Puzzles daraus. So entstanden von Oktober bis November 2016 fünf großformatige Wandmalereien und eine Straßenaktion in den Städten Kremenchug, Ostrog, Neteshin, Slavutich, Kramatorsk und Slavjansk. Das langfristige Programm Kodmista ist in der Schnittmenge zwischen öffentlicher Stadtentwicklung, Wirtschaftsakteuren und der Kunstszene in der Ukraine angesiedelt, und bezeichnet sich selbst als „neues kulturelles und wirtschaftliches Modell“. Dadurch versucht die NGO Garage Gang die Attraktivität der Städte für soziale Innovationen zu erhöhen und sucht Chancen für eine nachhaltige regionale Entwicklung. Aber in der ukrainischen Gesellschaft und Kulturszene herrschen kritische und kontroverse Meinungen zur Rolle von Public Art, Murals und dem sog. `wilden´ Urbanismus.

    Beim Artist-Talk präsentiert der Künstler Igor Zaidel das eigene Projekt aus einer kritischen Perspektive, woran sich eine Diskussion über die aktuelle Bedeutung von Public Art und engagierter Kunst in Europa anschließt. Sergey Medvedev (Vorstandsmitglied / Dekabristen e.V.) präsentiert dabei einen aktuellen Versuch, in der europäischen Nachbarschaft mit künstelerischen Mitteln Konflikte zu bewältigen. Welche Rolle kann die europäische Kunstszene in schwierigen gesellschaftlichen und politischen Prozessen in Europa und an dessen Rändern heute einnehmen? Wie ist künstlerische Vermittlung, Moderation, Aufbruch oder Creative Peacebuilding möglich?

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  • 18:00Theater

    Filmstill aus ‚Almanya – Willkommen in Deutschland‘
    Filmstill aus ‚Almanya – Willkommen in Deutschland‘

    Vortrags- und Filmabend

    Regisseur_innen mit Migrationsbiographien kreieren in Deutschland seit den ‘90er Jahren selbstbewusst ein ‘anderes’ deutsches Kino: Ihre Filme erzählen eher vom Konflikt der Wünsche und Bedürfnisse ihrer transkulturellen Figuren als vom Zusammenprall einer homogenen “türkischen” versus einer “deutschen” Kultur. Sie haben nicht das vordergründige Ziel der interkulturellen Vermittlung wie das deutsche Mainstream-Kino über Migration. An den Beispielen “Gegen die Wand” (2004) von Fatih Akın, “Die Fremde” (2010) von Feo Aladağ und “Almanya — Willkommen in Deutschland” (2011) von den Şamdereli-Schwestern erläutert Canan Turan die unterschiedlichen Motive, Kulturkonzepte und Narrative dieser zwei Strömungen des deutschen Films.

    Im Anschluss an den Vortrag gibt es ein moderiertes Publikumsgespräch mit der Dozentin und Kuratorin Dr. Anna-Esther Younes. Danach wird der Film “Almanya — Willkommen in Deutschland” vorgeführt.

    CANAN TURAN (*1984), in Keşan in der Türkei geboren und in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen, ist Filmwissenschaftlerin, Regisseurin und Übersetzerin. Nach ihrem Bachelorstudium in Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin und der Pompeu Fabra Universität Barcelona ging Canan Turan 2011 nach London, wo sie am Goldsmiths College einen Master in Dokumentarfilm machte. Zu ihren wissenschaftlichen Schwerpunkten zählen insbesondere die krititische Analyse von kulturalistischen/rassistischen Repräsentationen im europäischen und amerikanischen Film sowie das Kino der `Anderen ́ in Deutschland. Turans Abschlussfilm Kıymet (2012 D/UK, 25 Min.) wurde auf internationalen Festivals, einschliesslich dem Documentarist Istanbul und Duhok IFF, vorgeführt und war ein Jahr lang im Programm des Kino Moviemento Berlin als Teil des Filmdoppels „Canim Kreuzberg“ zu sehen. Canan Turan lebt und arbeitet als Freiberuflerin in Berlin und Barcelona.

    DR. ANNA-ESTHER YOUNES wurde in Ost-Berlin geboren, promovierte in Genf über 'Rassismus, Kolonialismus und die Figur des Juden in einem Neuen Deutschland'. Ihre Themen sind Psychoanalyse, Rasse und Rassismustheorien, Post-/Koloniale und Kritische Theorie. Younes schreibt, moderiert und kuratiert neben ihrer Lehrtätigkeit.

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