Wladimir Kaminer, Schriftsteller und Kolumnist

Foto: Jan Kopetzky
Foto: Jan Kopetzky

RUBEROID schafft die Grenzen ab. Das Festival will auf die kulturellen Gemeinsamkeiten hinweisen, die viel größer und wichtiger als die Unterschiede sind. Ich halte die Bedeutung von religiösen und kulturellen Unterschieden sowieso für völlig übertrieben, ich bin in einem Imperium auf die Welt gekommen, bei uns musste jede Volksgruppe, egal wie klein, ihre kulturelle Besonderheit zu allengroßen Feiertag im Fernsehen demonstrieren, von daher weiß ich, wie mikroskopisch klein diese Unterschiede sind. Sie entfalten sich vor allem in Tanzveranstaltungen und Strickmustern auf Tischdecken. Die Strickmuster aller Völker sind geometrisch gesehen kaum voneinander zu unterscheiden, und ihre Tänze sowieso nicht. In der Regel springen in langen Röcken und breiten Hosen gekleidete Männer und Frauen auf der Bühne herum, die Nomadenvölker springen vielleicht etwas höher und sie laufen auch weitere Strecken über die Bühne – von einer Ecke in die andere und zurück, die Sesshaften legen es stattdessen mehr auf Handbewegungen an. Kurzum: Die kulturellen Unterschiede der sozialistischen Völker waren lächerlich. Mit Ausnahme der Kaukasier natürlich, die mit Säbeln jonglieren konnten. Ziemlich abgefahren fand ich auch den Tanz der Völker des äußersten Nordens, getanzt von einem einsamen kleinen Mann und einem Trockenfisch. Er tanzte in der Hocke. Sonst haben wir mehr Gemeinsamkeiten als jedem von uns lieb sein kann. Sollten die Menschen das jemals erkennen, würde es die Welt friedlicher und liebenswürdiger machen. Deswegen unterstütze ich RUBEROID.